Was ist der Kunstbeutel?

Die Kunstbeutelträger 2016

Es gibt eine entscheidende Änderung gegenüber den Kunstbeutelträgern im Jahr 2013 und 2014: Jeder kunstinteressierte Bürger durfte einen Kunstbeutelträger vorschlagen. Der Vorschlag war schriftlich an die Kulturbehörde zu senden und musste neben dem Namen des Vorgeschlagenen eine Charakterisierung enthalten. Es musste kurz erläutert werden, dass die vorgeschlagene Person nachweislich über Fachkompetenz im Bereich der bildenden Kunst (Studium, Beruf o.ä.) verfügt und die Hamburger Kunstszene kennt.
Nach Überprüfung der Angaben auf Plausibilität, wurden vom Amtsleiter  der Kulturbehörde zwei Kunstbeutelträger aus der Menge der Vorschläge gezogen.
Die inhaltliche Aufgabe der Kunstbeutelträger ist beibehalten worden:
Unter strengster Geheimhaltung ihrer Aufgabe bewegen sich die Kunstbeutelträger durch die Stadt, besuchen Veranstaltungen, führen Gespräche, besuchen Ateliers, etc. und treffen Entscheidungen, welche Person, Gruppe, Organisation oder Institution für geleistete künstlerische Arbeit mit welchem Betrag ausgezeichnet werden soll.
Mit dem Geld sollen Personen ausgezeichnet werden, die deutliche Impulse an die bildende Kunst im Raum Hamburg gesendet haben.
Ihre Auswahl teilen die Kunstbeutelträger dem Amtsleiter/Vertreter der Kulturbehörde stets mit.

Zwei Kunstbeutelträger dürfen je 50.000 € vergeben.
Der Auszuzeichnende wird von der Kulturbehörde kontaktiert, damit die Überweisung des Geldes an die/den Betreffenden veranlasst werden kann. Sollten die Ausgezeichneten das Geld ablehnen, wird im gleichen Verfahren ein nächster Kandidat gewählt.
Fliegt das Inkognito der Kunstbeutelträger auf, endet das Amt mit sofortiger Wirkung, und es wird wieder ein neuer ausgewählt.
Jeder Kunstbeutelträger bekommt für seine Bemühungen eine  Aufwandsentschädigung in Höhe von 2500,- Euro nach Abschluss der Tätigkeit. Im Falle des Auffliegens des Inkognitos, erhält er anteilig eine Aufwandsentschädigung bis zu diesem Zeitpunkt. Dass mögliche nachfolgende Kunstbeutelträger auch von dem insgesamt zur Verfügung stehenden Betrag eine Aufwandsentschädigung erhalten, ist damit gewährleistet.
Bei den ausgewählten Auszuzeichnenden sollte auf Ausgewogenheit unter folgenden Aspekten geachtet werden:

– Gender
– Alter der Auszuzeichnenden
(Künstler aller Altersgruppen müssen noch produktiv arbeiten – nicht unbedingt aktuell ausstellen.)
– breit gefächerte Disziplinen

Zu vergebender Betrag
minimal:               1.000 €
maximal             50.000 €

Von Seiten der Kulturbehörde wird empfohlen– entsprechend der bisherigen Handhabung –, einen Höchstbetrag von max. 10.000 € pro Auszuzeichnenden zu vergeben.
Dopplungen (beide Beutelträger schlagen zufällig den/dieselbe PreisträgerIn vor) sind möglich.

Die Kunstbeutelträger veröffentlichen auf der Website über den Zeitraum von Mai- September hinweg in kurzen Abständen ihre Wahl und begründen die Preiswürdigkeit mit einem kurzen, prägnanten Statement, damit ein Anstoß für eine Diskussion gewährleistet ist.
Ende September 2016 müssen alle Auszuzeichnenden gefunden sein.

Da die Aktion 2016 erstmalig in Kooperation mit der Körber-Stiftung umgesetzt wird,
ist am 7.11.2016 um 19.00 Uhr eine öffentliche Diskussionsveranstaltung im Beisein des Amtsleiters des Amtes Kultur der Kulturbehörde, Hans Heinrich Bethge, im Körber-Forum geplant, die auf neue Perspektiven und Positionen im Bereich der bildenden Kunst aufmerksam machen und zugleich den Blick für neue Verfahren in der Kulturförderung öffnen soll.
Es ist dem Ermessen der Kunstbeutelträger überlassen, sich nach Verleihung der letzten Summe erkennen zu geben oder das Inkognito zu wahren.


Was ist ein Kunstbeutelträger?

Kunstbeutelträger sollten umtriebig und Trüffelschweine sein, das Große ganz im Blick haben und sich für das Besondere begeistern.
Sie sollten ambivalent, überraschend, disparat, nicht festgelegt und pointiert sein. Sie sind keine Zorros des Zauderns, aber auch keine „Was soll der Scheiß“-Rufer.
Das Ganze ist „keine leichte Aufgabe, die man nicht zu schwer nehmen darf“. Locker sollte das Mitteilungsbedürfnis über das eigene Handeln sein.
So wichtig es ist, dass das Geld auf fruchtbaren Boden fällt, so wichtig, dass die Kunstbeutelträger „alle“ am Werdegang, an Schwierigkeiten und Überlegungen teilnehmen lassen. Diese Überlegungen sind neben dem Geld die zweite Saat. Es sollte dem Kunstbeutelträger eine Freude sein, über Beobachtung und Gedanken, Einschätzungen, Erwartungen, Hoffnungen, Bedenken zu schreiben.
Dabei müssen die Entscheidungen nicht einheitlich sein. Es geht um ein Gespür für die Geste des Beuteltierens.
Kurz: Sie sollten sich Witze erzählen können, die sie vorher noch nicht kannten.
Und es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, diese Aufgabe gut zu gestalten.

Was ist der Kunstbeutel und was ist das für ein Verfahren?

Ein Experiment öffentlich-städtischer Kunstförderung wird versucht: 40.000 Euro stehen zur Verfügung, um von einer geheimen Person – genannt „Kunstbeutelträger“ – bis zum Jahresende an das Kunstgeschehen im Raum Hamburg verteilt zu werden. Das Geld kann an jede Art von bildende Kunst betreffende Aktivität, Person, Gruppe, Organisation und Institution gegeben werden. Die Aufforderung an den Kunstbeutelträger ist, mit dem Geld deutliche Impulse an die bildende Kunst im Raum Hamburg zu geben.
Aus dem Kreis der Kunstneigungsgruppe wurden Kandidaten des Kunstbeutelträgers zusammengetragen. Jede/r konnte 1 bis 2 Personen vorschlagen. Jeder Vorschlag ist geheim und wird im verschlossenen Umschlag abgegeben. Auf diesem Wege sind 22 Kandidaten zusammengekommen. Die Vorschlagenden können nicht gefördert werden.
Die gesammelten Namen, mit Kontaktadressen und Telefonnummern, kamen in verschlossenen Umschlägen in die Kulturbehörde. Dort wird im Zuge einer Tombola ein Umschlag geöffnet. Den Namen der ausgelosten Person kennt nur der Amtsleiter der Kulturbehörde, welcher daraufhin Kontakt zu der Person aufnimmt und ihr das Amt des Kulturbeutelträgers anbietet. Lehnt die Person ab, wird ein neuer Name gezogen.
Die Kunstbeutelträgerin oder der Kunstbeutelträger versieht das Amt wie folgt:
Unter strengster Geheimhaltung ihrer Aufgabe bewegt sich die Person durch die Stadt, besucht Veranstaltungen, führt Gespräche, besucht Ateliers etc. und trifft Entscheidungen. Dafür teilt der Kunstbeutelträger dem Amtsleiter der Kulturbehörde mit, wer oder was mit welcher Summe gefördert werden soll. Der Amtsleiter kontaktiert daraufhin den/die Betreffende(n) und händigt die Summe gegen Quittung aus. Sollten die Betreffenden ablehnen, wird im gleichen Verfahren ein nächster Kandidat gewählt.
Es ist dem Ermessen des Kunstbeutelträgers überlassen, sich nach Verleihung der letzten Summe zu erkennen zu geben oder das Inkognito zu wahren.
Fliegt das Inkognito des Kunstbeutelträgers auf, endet das Amt mit sofortiger Wirkung und es wird wieder ein neuer Name gezogen.
Die vorgeschlagenen Personen sollten in Hamburg leben bzw. sich häufig dort aufhalten, ein intensives Interesse an den vielfältigen Seiten des Kunstgeschehens im Raum Hamburg haben. Zu jedem geförderten Projekt etc. braucht die Redaktion der Website ein kurzes Statement.
Der Kunstbeutelträger bekommt für seine Bemühungen eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 2500,- Euro. Die Auszahlung der Aufwandsentschädigung bemisst sich prozentual an der Höhe der von den 40.000,- Euro bereits verteilten Summe. Auf diese Weise ist im Falle des Auffliegens des Inkognitos auch für die nachfolgenden Kunstbeutelträger eine Aufwandsentschädigung gewährleistet.
Die höchst mögliche Zuwendung an ein einzelnes Projekt etc. ist mit 10.000 Euro festgesetzt.
Aus den Reihen der Kunstneigungsgruppe formiert sich die Redaktion der Website, welche die jeweils ausgezeichneten Personen, Projekte oder Gruppen mit Texten und zusätzlichen Informationen kommentiert. Das Ziel der Website und der gesamten Versuchsanordnung ist, für und mit den für das Kunstgeschehen der Stadt interessierten Menschen eine gute Diskussion über das Kunstgeschehen und die öffentliche Kunstförderung zu initiieren.