Landschaft, Raum und das Dunkle

EUR 3.000,- für Silke Silkeborg

Die Malerin Silke Silkeborg hat sich schon früh, während ihres Studiums dazu entschlossen, die Nacht zu ihrem Thema und zur Grundbedingung ihrer Bilder zu machen. So hat sie sich – “Plein air” ins Dunkle gewendet – nachts in die Landschaft begeben, um dort vor Ort zu malen – natürlich im Bewusstsein darüber, sich damit auf den Pfad der Romantiker zu begeben. Es ist viel von “Restlicht”, was sie da erfasst hat, um gerade noch Erkennbares malen zu können, aber auch der Mond und den Schatten, den er wirft. Neben Bildern von Unschärfen und Strukturen, die sich noch abbildbar zeigten gibt es Serien, auf denen wiederum das Licht, also das Gegenlicht im Dunkel Gegenstand ihrer Arbeiten ist.

In jüngerer Zeit hat Silke Silkeborg ihre Arbeitsweise in dem Sinne verändert, als dass sie spezifische Projekte angeht. Überdeutlich mit romantischer Herangehensweise verwandt ist ihr “Glühwürmchen-Projekt” (2014), in dem sie bevorzugt in Süddeutschland und Österreich sich auf die Suche nach Leuchtkäfern machte, um diese zu fotografieren und vor Ort malerisch zu erfassen. Von anderer Konzeption mit politischem Subtext ist das Lichtspotprojekt, das sie 2013 in Brüssel durchführte. Hier baute sie, behaftet mit einer Kopfleuchte für ihre Arbeit am Bild, eine Konstruktion mit einem kleinen Spot auf dem Strassenpflaster im Eingangsbereich vor den Firmen der Lobbyisten Brüssels. Diese Lichtspots, alle einander ähnlich wie Trottoirs einander ähnlich sein können, waren ihr Motiv, auf kleinem Format auf Holz gemalt. Hier ist nun die Malerei nicht Untersuchungsgegenstand und Medium zur Auslotung der Dunkelheit, sondern verweist auf Analogien; das Bild wird hier Metapher für wiederum das Nichtabbildbare des Intransparenten, mit dem der Lobbyismus, zumal im Brüsseler Masstab funktioniert.

 

EUR 3.000,- für Ralf Jurszo

“Somewhere out there” ist ebenso eine Grundlage der Bilder von Ralf Jurszo. Auf älteren Arbeiten, auf denen das Grundmotiv der überaus romantisch konnotierte Wald das Grundmotiv ist, gibt es genügend Hinweise, der Idylle zu misstrauen: Bunker und Ruinen verstellen die Sicht, die unheimliche Seite wird durch Fragmente des Realen deutlich hervor gekehrt. Über die präzise, durchaus an alte Techniken erinnernde dunkeltonige Malerei hat Jurszo über einen längeren Zeitraum Schrift gelegt: Namen von Orten oder Pflanzen, Eigennamen oder Begriffe, die aphoristisch knapp Sachverhalte anreissen und Assoziationen wie etwa an den Krieg erinnern können. Die Spanne von direkter Zuordnung und Ahnung ist hier breit angelegt. Jurszo arbeitet an Serien, die er häufiger aufgreift. Während die Waldbilder immer farbig, aber oft sehr dunkel sind, gibt es andere Werkgruppen und Themen wie jene kleinformatigen Wasserfarbenbilder mit dem Titel “The Road” (2013), fiktive Strassen ziehen sich durch weite, helle Landschaften, deren Zuordnung nicht leicht fällt ob der abgebildeten Wüsten und Schneefelder. Spezifischere Orte bildet er in ebenso hellen, durch die Verwendung von Neonfarben ungleich bunteren Bilder wieder; hier ebenso die Bunker-Reihe.

Jurszo verwendet überhaupt sehr eigen Farben; für seine seit einigen Jahren fortgesetzte Garten-Serie – Abbildungen von Beeren, Kräutern oder teils entlegener Pflanzen (“Baumwürger”) in der Manier des Naturforschers – malt er auf strukturierter Pappe von kaum A4-Größe mit Interferenzfarben, die darauf fallendes Licht besonders zum Leuchten bringen. Er geht in Ausnahmefällen auch explizit auf die “ältere Malerei” zu, malt Versionen und – der einzige, den ich damit kenne – fertigt mikroskopisch präzise Miniaturen an. Als ein “Künstler für Künstler” mag er gelten, ist aber damit hier in der richtigen Reihe.

 

EUR 3.000,- für Henrik Hold

In der Reihe von MalerInnen, die hier von mir bzw. von dem Stifter begünstigt werden, befasst sich auch Henrik Hold zumindest zeitweilig in seinen Bildern mit der Dunkelheit. Zu Beginn ist er primär mit seinen Zeichnungen, mit Tusche aber mehr noch mit dem Bleistift bekannt geworden. Auf zwangsläufig kleinen Formaten bildete er, so präzise wie menschenleer, seine direkte Umgebung (“Ysenburgstrasse”, 2005) oder andere, teils öffentliche Innenräume ab (“Amtsgericht Hamburg Mitte”, “LVA”). Leere Räume, Durch- und Ausblicke mit genauer Wiedergabe der Hell-Dunkel-Schattierungen. Seine erste richtige Serie mit mittel- und großformatiger Malerei ist wiederum das Motiv der eigenen Wohnung, in der er mit Familie lebt, die “Clemens-Schulz-Strasse”, die jetzt seit 2005 weitergeführt wird. Das sind überwiegend Nachtbilder, in dem sich partiell das Straßenlicht durch die Fenster auf die Möbel und andere Gegenstände legt, von schwarzen Schatten umrahmt und zerteilt. Jüngere Arbeiten aus dieser Reihe zeigen weniger streng die Kontraste, spielen dafür mehr mit den Farben und dem Duktus der Malerei selbst. Die Gegenstände und Sichtachsen in der Wohnung wiederholen sich notwendigerweise, worin sich aber gerade die Malerei zeigt. Die Landschaftsmalerei als Erfahrung, also vor Ort, hat er überwiegend in einer nahezu impressionistischen Serie der “Boberger Niederung” (2009) zusammengefasst.

Seine aktuelle Kunst jedoch verweist in den Raumansichten und Straßenbildern zunehmend auf malerisch hervorgehobene abstrakte Flächen, im Bild hervorgerufen durch Architektur- und Schattenwirkung der Motive. Folgerichtig wendet sich Hold auch ornamentalen Bildfindungen zu oder Mischformen von Texturen und Mustern innerhalb realistischer Raumdarstellung.

 

EUR 3.000,- an Wolfgang Oelze

Man konnte in der letzten Zeit einiges von Wolfgang Oelze sehen, so 2014 die beeindruckende Ausstellung “The Qualm” im Kunsthaus und letztes Jahr zwei im Frappant und im 2025 e.V.-Ausstellungsraum. Ausgangspunkt und im Fokus seiner Bildfindungen ist das vorgeblich Formlose oder zumindest nicht sichtbar Existente; Bilder, auf denen sich vermeintlich nichts ereignet. Sicher, es sind Orte – viel Landschaft, aber auch Stadtansichten, eigentümlich angeschnittene Blicke etwa auf Bunker oder kürzlich verlassen erscheinenden Lichtungen. Spärlich auftretende Menschengruppen wirken wie gestellt, Staffage vor rätselhaften Objekten in einer Natur, die ebenso rätselhaft wie erhaben und gleichgültig ist. Oelze kombiniert in seinen Ausstellungen schon technisch Bilder unterschiedlicher Ordnung, so als gerahmte oder fixierte an der Wand. zusammen mit oft sehr großformatigen Projektionen oder mit Filmen. Auch in ihnen bewegt sich oft wenig und sie kommen so den Fotografien nahe – die Aktion kann in Kameraläufen der Abbildung von Orten verbleiben, an denen etwas geschehen ist oder geschehen wird – nur gerade jetzt nicht. Oelze filmt und fotografiert die Oberfläche – der Welt, möchte man sagen. Denn diese Oberflächen bringen das in Bewegung, was Bilder und das Nachdenken darüber letztlich bedeuten: Zuordnungen schaffen und die innere Realität erkennen.

Aktueller Hinweis: Noch bis Ende Oktober ist eine kleinere Installation von Wolfgang Oelze im Oel-Früh Kabinett, im Pane e Tulipani am Klosterwall zu sehen.

 

EUR 3.000,- für Jürgen Albrecht

Die Skulpturen von Jürgen Albrecht spalten sich entschieden in zwei Erscheinungen auf: die der äusseren Form und dem, was in ihnen zu sehen ist. Im Allgemeinen hängen sie weiß an der Wand, als ein mehr oder weniger langer Quader, oder stehen, sofern sie zu den grösseren Skulpturen gehören, im Raum; die ersten ihrer Art in den 1980er Jahren sollen Packpapier-braun gewesen sein.

Wenn dieses die Hülle ist, dann ist das Werk innerhalb der Kästen: ein Spiel von Licht in einer Architektur. “Eine” Architektur ist hier Notbehelf, denn es sind imaginäre Räume von unterschiedlich ausgeprägter Größe und Details. Es sind schweigende Räume, auch wenn sie vorstellbar bewohnbar wären; die Bearbeitung der Flächen wären präzise genug und die nötigen Lichtschlitze sind innerhalb der Raumwirkung unsichtbar. Die Gänge und Schwellen – die sich üblicherweise in eine Richtung bewegen, aber auch von Quergängen gekreuzt werden können – sind zu keinem Zeitpunkt mit Modellen, etwa für eine Realisierung in größerem Masstab zu verwechseln. Denn der Blick in diese Architekturen ist umgesetzte Zeichnung oder gar Malerei, und kann den Blick verwandeln, indem eine Herleitung zum Film assoziiert wird. Und Film selbst setzt Albrecht an anderer Stelle auch ein, indem er die Skulptur als Objekt einsetzt, und über einen kaum glaubwürdigen Kunstgriff einen Film mit erstaunlichen Effekten herstellt, ohne die Kamera zu bewegen.

 

Das waren die letzten Namen auf der Liste der Begünstigten im Jahr 2016. KBT3 verabschiedet sich hiermit von dieser Platform und den interessierten Nutzern.

 

 

Diskussionsbeitrag verfassen

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht, Pflichtfelder sind mit einem * markiert.
Wir schätzen die Debatte, allerdings bevorzugt mit echten Menschen. Dein Username sollte daher aus Deinem vollen Namen, wenigstens aus Deinem Vornamen bestehen.

Rechnen Sie und zeigen das Sie keine Maschine sind. *


Der Beitrag muss erst Moderiert werden.