Das Los – Anfang und Ende

Befragung der Gebeutelten

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Los-Spaß

Das Los hat die Kunstbeutelträger in ihr Amt gehoben und schließlich soll das Los über die verbleibenden 2x 3.000€ entscheiden. Dafür habe ich alle, die von mir bis dahin Geld aus dem Kunstbeutel erhalten hatten, nach Vorschlägen inklusive einer kurzen Erläuterung für weitere KandidatInnen gefragt. Nach einer kleinen Vorauswahl, die z.B. bereits in der Vergangenheit beschenkte ausschloss sowie auf Leute verzichtete, die finanziell durch gute Arbeitsverhältnisse abgesichert sind, hat das Los entschieden. Erfreulicherweise hat es zwei Personen zutage gefördert, die auch auf meiner noch immer langen Liste mit KandidatInnen standen. Durch das Losverfahren habe ich mir nicht nur die Qual der Wahl auf den letzten Metern erspart, sondern auch die Möglichkeit genutzt, weitere meinungsstarke Stimmen mit eigenen Perspektiven auf die Kunst- und Kulturschaffenden Hamburgs beim Geld verteilen zumindest minimal zu berücksichtigen.

Ich erlaube mir hier die Erläuterungen anonymisiert zu veröffentlichen.

Das Ergebnis lautet:

3.000 € für Alexander Rischer

Alexander Rischer ist meiner Ansicht nach einer der (von Fachfreunden) am meisten geschätzten und zugleich öffentlich unterschätztesten, gar vielen außerhalb der Szene unbekannten (Foto)Künstler Hamburgs. Manchen sind seine Sujets wie norddeutsche Gottes- oder Taubenhäuser, Grabstellen und ähnliche Landschaftsmarken allzu spröde, neuerdings gibt es auch fotografische Nahsichten in Astwerk und verschossenes Unterholz – großartig gesehene Naturabstraktionen, immer an der Grenze zu urwüchsig Diffusem und verfallen Chaotischem, die seine Werklogik weiterführen, die Arbeit insgesamt aber nicht unbedingt breiter populär machen dürften… Rischers enzyklopädisches Wissen über noch so abseitige Details seiner Sujets verblüffen im persönlichen Gespräch und in seinen raren Texten immer wieder. So sind seine Fotoarbeiten denn auch regelrechte Forschungsprojekte – er bereist immer wieder bestimmte Regionen, um dort Orte aufzusuchen, die kaum ein anderer motivisch zu würdigen und dann auch noch in dieser unvergleichlichen Mischung aus spröde präsentiertem Sosein und leise entschwindender Gegenwärtigkeit zu zeigen gewusst hätte. Insofern ist seine Arbeit insgesamt auch als weitläufige, dokumentarisch grundierte ästhetische Recherche zu begreifen (Kein Wunder, aber ein Glücksfall, dass ausgerechnet Rischer jüngst eingeladen war, Michael Ashers über Jahrzehnte laufende Arbeit für Skulpturprojekte Münster zu dokumentieren). Diese außergewöhnliche seit Jahren in Hamburg präsente künstlerische Leistung weiß außer näheren KollegInnen und einem Szenecircle kaum jemand so recht wahrzunehmen. Er hätte die mit dem Kunstbeutel verknüpfte Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung längst & unbedingt verdient.

3.000 € für Hans-Christian Dany

Hans-Christian Dany pflegt seit langem einen sehr eigenen Schreibstil, bei dem er komplexe Themen mit persönlichen Erfahrungen und Fiktion verwebt. Er schreibt regelmäßig Beiträge und Essays für Künstler, Ausstellungen und verschiedene Magazine. Mit seinen letzten beiden Büchern MORGEN WERDE ICH IDIOT und SCHNELLER ALS DIE SONNE leistete er einen wichtigen Beitrag zu aktuellen Diskursen in Kunst und Theorie, die weit über die Grenze Hamburgs wahrgenommen werden. Außerdem tritt er regelmäßig als DJ auf und ist einer der Erfinder des Kunstbeutels.

Damit ist der Beutel von KBT4 leer!

Es war mir eine Freude.

KBT4

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