Crazy, Sexy, Cool & keine Lust!

7.000 € für den Kunstverein St. Pauli

KBT4: Herzlichen Glückwunsch! Heute feiert der Kunstverein St.Pauli 10 jähriges Bestehen. Ich erinnere mich noch sehr positiv wie plötzlich eine Gruppe verrückter aus Braunschweig übersiedelte und in einer Wohnung in St. Pauli anfing wilde Ausstellungen zu machen. Gab es zu Beginn eine bestimmte Agenda?

KVSTP: Eine festgeschrieben Agenda gab es am Anfang nicht. Das Programm hat sich immer durch’s machen entwickelt. Wir hatten ein Stipendium ausgeschrieben und Leuten für eine Woche eine Kaffeemaschine und eine Bett angeboten. Zum Ende der Zeit sollte es eine Präsentation geben. Uns war es wichtig hauptsächlich Künstler einzuladen und zu zeigen, die nicht aus Hamburg kommen.

Veranstaltungsplakat zum 10jährigen Gründungsjubiläum 2016. Foto: © Kunstverein St. Pauli

Veranstaltungsplakat zum 10jährigen Gründungsjubiläum 2016. Foto: © Kunstverein St. Pauli

KBT4: Schnell hatte sich die Kiezwohnung als Ausstellungsort – nicht nur für Bier und Party – einen Namen gemacht. Auch weit über Hamburg hinaus ist der Kunstverein St. Pauli bis heute in der Kunstszene bekannt. Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (ADKV), in deren Klub man gar nicht so leicht aufgenommen wird, hatte sogar mal in Vorbildfunktion aufs Podium geladen. Worin begründete sich diese Aufmerksamkeit?

KVSTP: Wir waren young, wild & fresh und natürlich auch crazy, sexy, cool.

Formation 2006. Logo, Gründungsmitglieder und Gonzo. Foto: © Kunstverein St. Pauli

Formation 2006. Logo, Gründungsmitglieder und Gonzo. Foto: © Kunstverein St. Pauli

KBT4: Der Kunstverein St. Pauli besteht aus Christoph Bernecker, Katharina Berner, Felix Franz, Kai Kaste, Axel Loytved, Franziska Nast, Sebastian Rohrbeck, Tobias Scholz, und Malte Struck, richtig? Sprich ein Teil sind KünstlerInnen, ein anderer Teil nicht, haben sich dadurch abweichende Dynamiken ergeben als in anderen ProduzentInnenräumen? 

KVSTP: Ja.
Es gab dadurch permanent unterschiedliches, auch kunstfernes Publikum und Auseinandersetzungen, die indirekt Einfluss genommen haben.
Letztlich waren es aber die eingeladenen Künstler, die entschieden haben, wie sie mit der Situation umgehen und welche Formen das annimmt.

Abschiedsveranstaltung, 2009. Anlässlich der letzten Veranstaltung in den Ausstellungsräume auf der Reeperbahn wurde das Mobiliar in handliche Stücke zerteilt, mit dem Logo markiert und als Andenken unter den Besuchern verteilt. Foto: © Kunstverein St. Pauli

Abschiedsveranstaltung, 2009. Anlässlich der letzten Veranstaltung in den Ausstellungsräume auf der Reeperbahn wurde das Mobiliar in handliche Stücke zerteilt, mit dem Logo markiert und als Andenken unter den Besuchern verteilt. Foto: © Kunstverein St. Pauli

KBT4: Seit es den physischen Standort in St. Pauli nicht mehr gab, war es in den letzten Jahren hier in Hamburg etwas ruhiger um Euch geworden. Dafür wart ihr mit einem schwarzen Übersee-Container unterwegs und habt vorübergehend andere Kunstvereine gekapert. Es kursierte das Motto „Wer zurück bleibt, wird zurück gelassen“, das Goethe-Institut kommentierte daraufhin: „Wer rastet, der rostet“. War die Entscheidung mobil Ausstellungen zu machen auch durch die Angst vor einer Institutionalisierung und den vielen weniger attraktiven Aufgaben motiviert, die mit dem Führen eines Vereins einhergehen?

KVSTP: Wir hatten keine Angst, wir hatten keine Lust!

High-Cube Überseecontainer, komplett schwarz lackiert und zu einem Veranstaltungsraum mit einer Bar umgebaut. Im Herbst 2010 wurde der Container unweit der ehemaligen Ausstellungsräume am Hamburger Hafen auf dem Fischmarkt platziert. In Folge fuhr er im Rahmen der WER ZURÜCK BLEIBT WIRD ZURÜCK GELASSEN - Tour 2012/2013 vier Kunstvereine in Deutschland an um diese zu kapern, zu übernehmen und kurzzeitig zu bespielen.   Foto: © Kunstverein St. Pauli

High-Cube Überseecontainer, komplett schwarz lackiert und zu einem Veranstaltungsraum mit einer Bar umgebaut. Im Herbst 2010 wurde der Container unweit der ehemaligen Ausstellungsräume am Hamburger Hafen auf dem Fischmarkt platziert. In Folge fuhr er im Rahmen der WER ZURÜCK BLEIBT WIRD ZURÜCK GELASSEN – Tour 2012/2013 vier Kunstvereine in Deutschland an um diese zu kapern, zu übernehmen und kurzzeitig zu bespielen. Foto: © Kunstverein St. Pauli

KBT4: Nun macht es den Anschein als würdet ihr Euch erneut in Hamburg formieren. Ist der Countdown, der auf Eurer Homepage bis zum Jubiläum rückwärts zählt und gleich abgelaufen ist, auch die Ankündigung für neue Aktivitäten des Vereins hier in Hamburg?

KVSTP: Der Countdown zählt runter bis zum Samstag, den 17. September 2016, wo wir ab 15h unser 10jähriges Jubiläum in Form eines Parkplatztreffen im Freihafen feiern.
Er markiert aber gleichsam den Start für neue Aktivitäten. Wir haben verschiedene Sachen in Planung, weil es uns aktuell notwendig erscheint in Hamburg wieder öffentlich etwas zu machen.

Countdown auf der Webseite des Kunstvereins St. Pauli am 17.09.2016 kurz vorm Jubiläum.

Countdown auf der Webseite des Kunstvereins St. Pauli am 17.09.2016 kurz vorm Jubiläum.

KBT4: Ich wünsche eine ausgelassene Jubiläumsfeier – gleich geht es los! – und bin gespannt auf die zukünftigen Aktivitäten hier in Hamburg. Ich freue mich, dass der Kunstbeutel hier ein wenig Anschub leisten kann.

KBT4

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